GROSSMARKT-STREIT - Der Kölner Stadtanzeiger berichtet

kstaDer Protest gegen die vom Rat beschlossene Umsiedlung des Großmarktes nach Marsdorf nimmt zu. Sieben im "Aktionsbündnis West" zusammengeschlossene Initiativen wollen jetzt Petitionen an die Beschwerdeausschüsse von Stadt und Landtag senden.

 

 

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LINDENTHAL - Bürgerinteressengemeinschaften- und Vereine aus Lindenthal, Weiden und Frechen wehren sich gegen die beschlossene Umsiedlung des Großmarktes. Politiker empfahlen den Gegnern einer Verlegung nach Marsdorf: "Werden Sie laut". Man erhofft sich, dass so die Suche nach einem neuen Standort für den Großmarkt in Raderberg noch einmal neu gestartet wird.

Das ist das wichtigste Ergebnis einer Informationsveranstaltung, an der längst nicht jeder teilnehmen konnte, der wollte. Mehr als 200 Menschen drängten in die Aula der Grundschule Freiligrathstraße - bis sie hoffnungslos überfüllt war. Viele, die nicht mehr hineinkamen, gingen darauf hin enttäuscht wieder nach Hause. Eine wichtige Diskussions-Grundlage bei der Versammlung war das Verkehrsgutachten. Es prognostiziert auch ohne Großmarkt in Marsdorf für die westlichen Stadtteile bis zum Jahr 2025 eine erhebliche Zunahme des Autoverkehrs - und dass es mit dem Großmarkt noch ärger würde. Die Bürger sprechen von einem "Verkehrskollaps", sie befürchten negative Auswirkungen auf die Luftqualität und verstehen schon lange nicht mehr, warum ausgerechnet Marsdorf der beste Standort sein soll. Dennoch hält der Rat an seiner im Jahr 2007 getroffenen Entscheidung fest.

Die Verwaltung treibt das Planungsverfahren weiter voran. Die große Frage der Großmarkt-Gegner an diesem Abend war daher: "Was können wir jetzt noch tun?" So äußerte sich zum Beispiel Marion Schoen-Amanat. Sie ist eine Anwohnerin der Gleueler Straße, die in dem Verkehrsgutachten als eine der Verkehrsrouten von Marsdorf Richtung Innenstadt genannt wird.

Schon heute dicht

Doch tatsächlich ist die Gleueler Straße im Berufsverkehr schon heute dicht. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Roland Schüler (Bündnis 90/ Die Grünen), der neben Astrid Franzen und Bettina Boos (beide von der Bürgerinteressengemeinschaft Junkersdorf) den Bürgern Rede und Antwort stand, riet: "Werden Sie laut. Uns nimmt man als die »ewigen Nörgler aus dem Kölner Westen« in der Sache doch schon nicht mehr Ernst." Dem widersprach niemand im Saal. Auch nicht Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker (CDU), die den Abend moderierte.

Der SPD-Fraktionsvorsitzenden Lisa Steinmann allerdings ging das zu weit, wie sie anschließend erklärte. Es sei nicht die Aufgabe von Politikern, "die Bürger aufzuwiegeln" (siehe Interview). Blömer-Frerker wies diesen Vorwurf weit von sich und nahm auch die anderen von Steinmann kritisierten Politiker in Schutz. Auf Nachfrage des "Kölner Stadt-Anzeiger" sagte sie: "Der Abend war ein Wunsch der Bürger. Sie wollen ihre Rechte wahrnehmen, und wir haben ihnen die nötigen Informationen geliefert. Das zählt auch zu unseren Aufgaben."

Für die Bürger wird der Containerbahnhof Eifeltor als Alternativstandort für den Großmarkt immer attraktiver. Genährt werden solche Überlegungen derzeit beispielsweise von der Nachricht, dass vor kurzem die Firma "Rosenbaum Fruchtimport & Logistik" von ihrem bisherigen Areal am Großmarkt in ein Gewerbegebiet am Eifeltor umgezogen ist. Dadurch werde die jüngste Aussage des Baudezernenten Bernd Streitberger unglaubwürdig, dass am Eifeltor Lebensmittelbetriebe nicht verantwortbar seien, aufgrund der Nachbarschaft des Chemiekonzern Degussa.

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